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André Fahrni
Zweit Taucher schnorcheln nahe bei Seals
Antarktis 66° South 2020

Antarktis 66° South

Have you ever dreamed of…?

André Fahrni
André Fahrni
CEO TSK Zürich

Antarktis: Have you ever dreamed of…?
Am 12. Februar machten sich 11 abenteuerlustige Taucherinnen und Taucher vom TSK auf die Reise an einen Ort, der nur von wenigen Menschen besucht wird: die Antarktis! 

… visiting the end of the world?
Nach ca. 24 Stunden Reisezeit kommen wir gut gelaunt in Ushuaia – der südlichsten Stadt der Welt – an. Ushuaia im argentinischen Teil von Feuerland hat zwar eine überschaubare Grösse, bietet jedoch ihren Besucher einiges. Man spürt, dass dieser Ort Start- und Endpunkt vieler aussergewöhnlicher Reisen ist. Schon der spektakuläre Anflug über die Berge lässt einem der Atem stocken. Aber auch die vielen Schiffe und Offroad-Fahrzeuge machen uns bewusst, dass wir hier an einem ganzen besonderen Flecken dieser Erde angekommen sind. Einige aus unserer Gruppe erkunden die Natur ausserhalb von Ushuaia mit einer Wanderung, andere stocken ihre Ausrüstung für die bevorstehende Expedition auf und die übrigen geniessen das «dolce far niente», schliesslich sind wir ja im Urlaub. Also darf ein Kaffee bei «Tante Sara» oder ein argentinisches Steak und ein, zwei Gläser Malbec bei «Christopher» natürlich nicht fehlen!

… swimming with whales and seals?
Im Bewusstsein, dass wir kurz davor stehen unseren (Tauch-)Traum zu erfüllen, gehen wir auf Nummer Sicher und wollen unsere Tauchausrüstung nochmals überprüfen. Der Beagle Channel als Eingangstor für Ushuaia ist perfekt dafür geeignet. Etwas überrascht waren wir dann jedoch, als wir die MONO Tanks sahen und wir unsere auf Kaltwasser eingestellten Atemregler zuerst umbauen mussten und somit den Parkplatz vor den Zodiacs kurzerhand zur Werkstatt umfunktioniert wurde. Ohne grosse Erwartungen stürzen wir uns in unseren Check-Dive und waren überrascht wie abwechslungsreich die Unterwasserwelt ist: Kelpwälder, Seesterne, Nacktschnecken, Krabben und viele bunte Farben machen unseren ersten Tauchgang zu einem schönen Erlebnis. Und konnte den einen oder anderen von uns zumindest ein wenig darüber hinweg trösten, dass bereits beim ersten Ausstieg aus dem Zodiac das brandneue Weitwinkel-Objektiv in den Kelpwäldern verloren ging (welches wie durch ein Wunder am Ende der Reise wieder aufgetaucht ist…). Auf der Rückfahrt vom Check-Dive hat uns dann die Info erreicht, dass Seebären und Buckelwale im Beagle Channel gesichtet wurden. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Gut eingepackt im Trocki und mit Schnorchel ausgestatten, sprangen wir hoch motiviert ins kühle Nass. Für uns doch etwas unerwartet, schwammen die Seebären und neugierigen Buckelwale direkt auf uns zu. Wir waren geflasht! Und es sollte nicht das letzte Mal sein…

 

… touching an iceberg?
Am 16. Februar war es dann endlich so weit: wir durften mit 96 weiteren Passagieren in die M/V Plancius einsteigen. Den Welcome-Drink mussten wir uns jedoch zuerst mit einem ausführlichen Corona-Virus-Check verdienen. Glücklicherweise wurden alle von uns schlussendlich aufs Schiff gelassen und unser Abendteuer auf die antarktische Peninsula konnte starten. Nach einer zweitägigen Seereise über die berüchtigte Drake-Passage – die wir alle mehr oder weniger ohne Seekrankheit überstanden haben – freuten wir uns, als wir das erste Mal antarktisches Land sahen. Auch wenn der Blick vom Deck ins tiefblaue Kalt erahnen liess, wie kalt das Wasser mit seinen maximal 1°C doch sein muss, waren wir voller Vorfreude aufs Tauchen. 

Wir tauchten an Plätzen, die nur wenige Menschen vor uns gesehen haben, was jeden Tauchgang zu etwas Speziellem machte. Steilwände, Kelpwälder, Sandflächen, dutzende Wal-Knochen und Eisberge erkunden wir 1-2 Mal pro Tag während 30-40 Minuten. Wobei der Tauchgang um den ersten Eisberg ganz besonders eindrücklich und auch anspruchsvoll war. So ändert sich durch das Schmelzwasser des Eisbergs der Salzgehalt im Wasser alle paar Meter. Da hatten selbst die erfahrensten Taucher unter uns etwas Mühe mit der Tarierung. Aber auch die überhängenden Eismassen die ständig in Bewegung sind und unter Wasser knarren machen bewusst wie klein wir Menschen neben diesen Naturgiganten sind. Unser Mut hat uns jedoch belohnt, denn wer kann von sich selber schon behaupten, je einen Sicherheitsstopp auf 3 Meter sitzend auf einem Eisberg gemacht zu haben?

Eines unserer Highlights war dann aber auch ein Tauchgang bei einem stark bewachsenen, farbenfrohen Wrack in Kombination mit einem Eisberg. Ein einmaliges Erlebnis!

…crossing the southern polar circle?
Neben dem Tauchen hat die Antarktis auch sonst viel zu bieten. So durften wir nach unseren Tauchgängen auch die Strände und ehemaligen Forschungs- oder Walfangstationen besichtigen. Die Schifffahrten am Morgen mit der Plancius waren jedoch besonders unterhaltsam. So durften wir teilweise stundenlang Buckelwalen, Zwergwalen und Pinguinen zuschauen wie sie durchs Wasser glitten. Und als dann noch dutzende Killerwale unser Schiff begleiteten, waren wir alle begeistert! Die Wale haben sich aus nächster Nähe präsentiert (insbesondere die Buckelwale sind richtige Poser) und haben dem einen oder anderen Hobby-Fotografen ein Leuchten in die Augen gezaubert. Und auch wenn das Überschreiten des südlichen Polarkreises optisch kein Highlight ist, standen doch viele von uns morgens um 6 Uhr auf der Brücke um gemeinsam die 66° 33’ 48’’ zu überqueren, um beim Hornen des Schiffes kurz etwas Gänsehaut zu erleben. Wer kann von sich schon behaupten den südlichen Polarkreis überschritten zu haben? Die Natur ist am Polarkreis beeindruckend. So werden die Eisschollen vielzähliger und das Wetter ist rau, was unsere Zodiac-Fahrten zu den Tauchplätzen noch etwas abenteuerlicher machte, es uns jedoch ermöglichte, nach dem Tauchgang zwischen den Eisschollen zu schnorcheln und schlafende Seebären aus der Nähe zu erleben.

… diving with leopard seals?
Mit etwas Wehmut machten wir uns am letzten Tag der Reise auf den Weg zu unserem letzten Tauchgang. Unsere Neugier und die Hoffnung, nochmals etwas Spannendes zu erleben, haben uns dazu bewegt, bei starkem Wind und Wellen auch auf Half Moon Island abzutauchen. In 10 Meter Tiefe und nach ca. 20 Minuten Öde waren wir jedoch kurz davor den Tauchgang enttäuscht abzubrechen. Sollte unser letzter Tauchgang  wirklich so langweilig sein? Doch unser Durchhaltewille hat uns belohnt: aus dem Nichts schwamm ein Seeleopard an uns vorbei! Oder besser gesagt, sie «tanzt» an uns vorbei. Unglaublich wie sich diese Kolosse unter Wasser wie Grazien bewegen können, wirken sie doch über Wasser so träge und faul. Der Puls stieg weiter an als das ca. 3 Meter grosse Weibchen immer näher an uns vorbei schwamm. Unsere strahlenden Augen waren sogar durch unsere Tauchmasken zu erkennen – wir waren im Glück! Erst als der Seeleopard gefährlich nah kam, angefangen hat unseren Flossen, Tanks und Kameras die Zähne zu zeigen und wir realisiert haben, dass wir uns mitten in der Pinguinen-Jagd wiederfanden, wurde uns etwas mulmig und wir beendeten unseren letzten Tauchgang voller Adrenalin – überglücklich über diese einzigartige Begegnung unter Wasser! 

… feeling Tango on the street?
Nachdem wir auch die Rückfahrt über die Drake-Passage bei mittlerem Seegang gut überstanden haben, nehmen wir den Flieger zurück nach Buenos Aires. Etwas surreal war für uns die Rückkehr in das urbane Leben mit vielen Leuten, Autos, Lärm und Schmutz. Doch Buenos Aires hat viel mehr zu bieten: moderne Cafés, mit Tango-Musik und -Tänzern gefüllte Strassen, moderne Hochhäuser, lebendige Markthallen, schöne Sandstrände, grüne Pärke… Wir genossen die Sonne und Wärme, das Flanieren in den Stadtteilen Palermo oder Boca und natürlich durfte auch hier der Gaumenschmaus nicht fehlen. An einem Abend tauchten wir ein in die Geschichte des Tangos und liessen uns von der Leidenschaft der Tänzer mitreissen. Ein absolutes Kontrastprogramm zur Antarktis – aber lohnenswert!

Und dann stiegen wir am 2. März müde und voller toller Eindrücke und Erinnerungen in den Flieger zurück nach Zürich ein und wir alle wissen: we will never stopp dreaming about Antarctica…

Text: Andrea Wettstein
Bilder: Florian Schwarz und TSK